Idee stieß anfangs auf wenig Gegenliebe Fünf Jahre Bürgerbus: Mehr als 400 Wallenhorster und Lotter Bürger nutzen ihn

Von Andreas Wenk NOZ|

16.05.2022,

Totgesagte leben länger: Das Sprichwort gilt auch für den Bürgerbus Wallenhorst-Wersen. Vor fünf Jahren fing alles an – leicht hatte es die Idee damals nicht.

Marion Müssen erinnert sich, damals habe sie zum ersten Mal eingeladen. Heute ist sie Vorsitzende des Vereins. Ihr Bus ist inzwischen 160.000 Kilometer gelaufen und für das kommende Jahr steht bereits die Bestellung eines Nachfolgers auf dem Plan. Dabei war die Idee am Anfang im Wallenhorster Rathaus auf wenig Gegenliebe gestoßen, erinnert sich Müssen, die selbst zehn Jahre für die CDU im Rat gesessen hat. Zuerst hatte es geheißen, die Gemeinde bezahle genug für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV), da brauche man nicht noch einen Bürgerbus. Trotzdem ging der Bus schließlich im Juni 2019 an den Start.

Viele Hürden

Inzwischen hat sich das Angebot etabliert und ist für viele kaum noch wegzudenken. Doch bis es soweit war, galt es viele Hürden zu überwinden und Fördertöpfe ausfindig zu machen. Da sich Nordrhein-Westfalen Bürgerbussen gegenüber aufgeschlossener zeigt und sich das auch finanziell auswirkt, hat der Bürgerbus Wallenhorst-Wersen seinen Sitz in Lotte. In Glandorf ist es genauso. Hier hat der Verein seinen Sitz im benachbarten Lienen.

Beide Vereine und ihre Bürgerbusse bedienen einen Mobilitätswunsch von Bewohnern in Randbezirken, der über Gemeinde und Landesgrenzen hinausragt. In Wallenhorst profitieren davon vor allem Rulle-Ost, Lechtingen und Hollage. Am Anfang stand eine Umfrage. Die sollte den Bedarf widerspiegeln. Das hat laut Müssen viel Geld gekostet, bildet aber noch heute die Grundlage des Fahrplans. Getaktet ist er nach den Zugverbindungen am Halener Bahnhof. Der Umstieg von einem auf das andere Verkehrsmittel ist laut Müssen sehr wichtig. Umso mehr umtreibt sie derzeit, was mit der Einführung des 9-Euro-Tickets für den ÖPNV passiert.

Fährt nicht nur Menschen von A nach B:

Erst kürzlich hat der Bürgerbusverein mit einer Spendensammlung zugunsten der Ukraine für Aufsehen gesorgt.

Schon heute ist es so, dass der Bürgerbus die Fahrscheine anderer Verkehrsanbieter anerkennt. Umgekehrt ist das jedoch nicht der Fall, obwohl der Bürgerbus zur Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) gehört und der Konzessionsgeber für die Strecken die in Hamburg ansässige Weser-Ems-Busverkehr ist, ein Unternehmen der Deutschen Bahn. Müssen drängt hier auf Klarheit, denn den Bürgern sei kaum vermittelbar, warum das 9-Euro-Ticket überall gelten soll, nur im Bürgerbus nicht und den Fahrern seien entsprechende Diskussionen ebenfalls kaum zuzumuten. Noch seien die Bürgerbusse davon abgekoppelt.

Das Ticket für den Bürgerbus kostet zurzeit einen Euro. Im Vergleich zu anderen Bussen ist das preiswert; Fahrgäste seien aber nicht nur Menschen, die ihr Auto schonen und keinen Parkplatz suchen wollen, sondern auch solche, die genau rechnen müssen, weiß Müssen.