
Von Christina Halbach
Wallenhorst. Die Bürgerbus-Initiative hat jetzt im Wallenhorster Rathaus Vereine und Verbände über das ehrenamtliche Nahverkehrskonzept informiert. Marion Müssen warb nachdrücklich für das Projekt und weitere Mitstreiter.
Die Mitinitiatorin hat sich gut vorbereitet: Vor einem Ortsplan der Gemeinde Wallenhorst stehend, zeigt Müssen auf das Streckennetz des aktuell verabschiedeten neuen ÖPNV-Konzeptes – eingezeichnet mit Textmarker: „Ich nenne das immer das Skelett. Dazwischen sind noch viele weiße Flecken. Unsere Aufgabe ist, daran Fleisch zu kriegen“, erklärt sie das Ziel der Bürgerbus-Initiative.
In der jüngsten Veranstaltung ging es vor allem darum, das Projekt in die Breite zu kommunizieren sowie Vereine und Verbände als Multiplikatoren zu gewinnen. An die 30 Teilnehmer waren der Einladung des Seniorenbeirats, Mitinitiator der Bürgerbusidee, gefolgt. Darunter Vertreter des Sozialverbandes Wallenhorst, des Hospizvereins der Andreasgemeinde oder der Kreisfrauenunion. Ihnen stellte Müssen die wesentlichen Eckdaten des Projekts vor: In Wallenhorst sollen Menschen in schlecht bis gar nicht angebundenen Ortsteilen, wie Rulle-Ost, Lechtinger Gruthügel oder Brockhausen, von einem Bürgerbus profitieren. Dieser soll zentrale Punkte wie das Rathaus, Supermärkte, Ärzte oder kulturelle Einrichtungen anfahren.
„Wir wollen, dass ältere Menschen, Jugendliche sowie Menschen ohne Auto selbstbestimmt und mobil bleiben oder wieder werden“, stellte Müssen fest. In puncto Kosten für Fahrzeugbeschaffung, Gesundheitsprüfung oder Fahrzeugversicherung könne mit hohen Zuschüssen vom Land und Landkreis gerechnet werden. Außerdem hoffen die Initiatoren auf Unterstützung durch die Gemeinde.
Ehrenamtliche gefordert
Bürgermeister Otto Steinkamp steht der Idee grundsätzlich positiv gegenüber. Entscheidend sei, eine Bürgerbus-Linie und das ÖPNV-Konzept sinnvoll miteinander zu verzahnen. Zugleich merkte er an: „Der Bürgerbus fußt auf einem hohen Maß an ehrenamtlichem Engagement. Das ist eine Ressource, die nicht mehr endlos ist.“ So ist ein Pool von bis zu 30 ehrenamtlichen Fahrern erforderlich, um in Wallenhorst eine Bürgerbuslinie erfolgreich zu betreiben.
Müssen konnte hier eine positive Zwischenbilanz ziehen: 18 Personen hätten bislang Interesse am Fahrdienst bekundet. Erforderlich ist dafür: Ein Führerschein sowie eine erfolgreiche Gesundheitsprüfung vor einem Arbeitsmediziner.
Beispiel Wildeshausen
Volkmar Havemann, der zum Fahrerstamm der Bürgerbus-Initiative in Wildeshausen gehört, war auch vor Ort und warb für den ehrenamtlichen Dienst: „Wir haben Fahrer, die sind mittlerweile seit sechs Jahren dabei. Die wollen nicht darauf verzichten, weil sie so viel von den Fahrgästen zurück bekommen.“ In seiner rund 20.000 Einwohner starken Gemeinde habe sich der Bürgerbus gut etabliert: Zweistellige Fahrgast-Zuwachsraten verzeichne die Linie pro Jahr, 48.000 Personen hätten den Bürgerbus bislang in diesem Jahr genutzt, erklärte er auf Nachfrage. Klar stellte er aber auch, dass der Bürgerbus ausschließlich Haltestellen bediene: „Man kann nicht an jeder Haustür anhalten.“
Veranstaltungsteilnehmer Walter Pakebusch, Vorsitzender des Sozialverbandes in Wallenhorst, sieht die Notwendigkeit eines Bürgerbusses: „Man ist in einem Alter, in dem man das gut gebrauchen kann.“ Er will die Idee in der Jahreshauptversammlung seines Ortsverbandes im Februar vorstellen lassen. Weiterlesen: Ehrenamtliche für geplante Bürgerbuslinie in Wallenhorst gesucht
Haushaltsbefragung
Bis dahin liegt noch einiges an Arbeit vor der Initiative: Anfang des Jahres strebt sie im Rahmen einer Haushaltsbefragung eine Bedarfsanalyse an. Dafür sollen nach jetzigem Stand dem Bürgerecho entsprechende Fragebögen beigelegt werden. „Dadurch sollen alle Haushalte erreicht werden und nicht nur die abgelegenen Ortsteile“, sagte Sabine Steinkamp. Für März 2018 ist dann die Gründung des Vereins geplant, der die Geschicke des Bürgerbusses lenken soll.
Foto: Christina Halbach
Quelle: NOZ