Neue Osnabrücker Zeitung 25.04.2017
Ein Bus von Bürgern für Bürger
UWG-Fraktion wünscht sich Bürgerbus für Wallenhorst
Von Christina Halbach
Wallenhorst. Wildeshausen hat ihn schon, Ganderkesee und Badbergen auch. Die Rede ist vom Bürgerbus. Die UWG-Fraktion sieht auch in Wallenhorst Potenzial für das bürgerschaftliche Nahverkehrskonzept. Die Idee dabei: eine bessere Verbindung der vier Ortsteile sowie Stärkung der Mobilität und Nahversorgung der Bürger.
Das Trio reagiert mit dieser Initiative auf eine Entwicklung, die vor allem ältere Wallenhorster Bürger mit Sorge beobachten: die Schließung der Sparkassenfilialen in Lechtingen und Rulle, die schlechte Busverbindung zwischen Wallenhorst und Rulle sowie die Gerüchte um das Aus für den Rewe-Markt im Zentrum. „Die älteren Menschen sind die Verlierer“, stellte unlängst die Vorsitzende des Seniorenbeirats Marlen Beyer dazu fest. Bereits 2014 hatte der Seniorenbeirat einen Anlauf gestartet, den Bürgerbus in Wallenhorst zu etablieren. Damals riet die Gemeindeverwaltung davon ab.
„Parteipolitisch übergreifendes Vorhaben“
Ihre Forderung nach einem Bürgerbus hat mittlerweile auch die politischen Gremien erreicht, die das örtliche ÖPNV-Konzept nach dem Scheitern der Pläne für die „Grüne Wiese“ und des damit verbundenen zentralen Busbahnhofs neu aufarbeiten müssen. Ein geeigneter Zeitpunkt also, um das Thema Bürgerbus auf die Tagesordnung zu setzen. UWG-Fraktion und die Vertreter der Wallenhorster 60+-Generation ziehen dabei an einem Strang. Ratsherr Stefan Botterhuis betont jedoch: „Das ist ein parteipolitisch übergreifendes Vorhaben. Es geht uns nicht um ein UWG-Alleinstellungsmerkmal.“
Das Konzept „Bürgerbus“ macht in Deutschland bereits seit Mitte der 90er landauf, landab Schule. 260 Bürgerbusse verkehren nach Angaben des Dachverbands Pro Bürgerbus NRW e.V. in Deutschland: An der Spitze steht Nordrhein-Westfalen mit 110 gefolgt von Niedersachsen mit 50 und Rheinland-Pfalz mit 43 Bürgerbussen. Zum Einsatz kommen die Busse in aller Regel, um Lücken im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auszugleichen, also in dünn besiedelten Ortsteilen oder schwach nachgefragten Querverbindungen.
Ortsteile sollen miteinander verbunden werden
„Der Bürgerbus ist keine Konkurrenz zum ÖPNV, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Es geht darum, die Ortsteile miteinander und nicht mit Osnabrück zu verbinden“, stellt Stefan Düing für Wallenhorst klar. Profitieren sollen schlecht bis gar nicht angebundene Ortsteile wie Rulle-Ost, der Lechtinger Gruthügel oder Brockhausen sowie Siedlungen wie das Berliner Viertel, um die Busse einen großen Bogen machen.
Soll ein Bürgerbus erfolgreich ins Rollen gebracht werden, ist bürgerschaftliches Engagement gefragt. „Der Bürgerbus ist ein Bus von Bürgern für Bürger“, verdeutlicht Düing das Konzept. Das heißt vorab: Ein Verein muss gegründet werden, der sich für sämtliche Belange von Fahrzeugbeschaffung über Versicherung bis zur Akquise und Einteilung der Fahrer verantwortlich zeigt. Ein Team von 20 ehrenamtlichen Fahrern ist erforderlich, um eine Buslinie durch die Großgemeinde erfolgreich betreiben zu können. „Das ist nicht so einfach und eine große Herausforderung“, ist sich Marion Müssen bewusst.
Foto: Christina Halbach