Neue Osnabrücker Zeitung 28.03.2014
Vorerst kein Bürgerbus für Wallenhorst?
Von Sandra Dorn
Wallenhorst. Ob es in naher Zukunft einen Bürgerbus in Wallenhorst geben wird, ist fraglich. Die Gemeindeverwaltung hat jetzt davon abgeraten. Die Ratsfraktionen zeigen sich der Idee des Seniorenbeirats gegenüber aber weiter aufgeschlossen. 
Der Wallenhorster Seniorenbeirat will mit einem Bürgerbus vor allem die Verbindungen zwischen Wallenhorst, Hollage, Rulle und Lechtingen verbessern. Das Konzept: ein Bus von Bürgern für Bürger.
Die Gemeindeverwaltung hat sich die Machbarkeit angesehen und betont den großen Aufwand. „Um einen Bürgerbus zu organisieren, bedarf es nicht nur eines Fahrzeuges“, heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung. Ein Förderverein müsse gegründet werden – nur dann bestehe die Aussicht auf Zuschüsse des Landes Niedersachsen. Und der Verein müsste sich nicht nur um die Umsetzung des ehrenamtlich organisierten Busverkehrs kümmern, sondern auch um Sponsoring, Pressearbeit, Fahrzeugpflege, Abrechnung und Statistiken.
Pro Fahrzeug sei „eine Crew von mindestens 20 ehrenamtlichen Fahrern und fünf Ersatzfahrern“ nötig. Damit diese den Bus überhaupt fahren dürfen, müssten sie im Besitz eines „kleinen Personenbeförderungsscheines“ sein und mindestens drei bis fünf Stunden wöchentlich fahren – diesen Nachweis fordere die Landesnahverkehrsgesellschaft. Hinzu kommen diverse Kosten, zählt die Verwaltung auf: Fahrzeugkosten, Versicherungen, Berufsgenossenschaftsbeiträge, Telefon- und Bürokosten.
All das ist aber zwangsläufig kein Hinderungsgrund, wie der Blick auf andere Kommunen zeigt. Im Artland etwa haben Bürger Ende Februar einen Verein gegründet, der in Badbergen und Umgebung einen Bürgerbus anbieten will. Im September könnte er den Betrieb aufnehmen. 29 Ehrenamtliche bieten ihre Fahrdienste an. In Niedersachsen gibt es laut dem Verein Pro-Bürgerbus-Niedersachsen inzwischen mehr als 40 solcher Bürgerbusse, im westfälischen Westerkappeln ist ein Bürgerbus schon seit Dezember 2002 unterwegs.
Weil es den Wallenhorster Senioren in erster Linie um eine bessere Verbindung zwischen den Ortsteilen geht, argumentiert Fachbereichsleiter Rüdiger Mittmann aus der Gemeindeverwaltung mit dem neuen ÖPNV-Konzept, das die Gemeinde im nächsten Jahr umsetzen will. „Beim neuen ÖPNV-Konzept ist ein Bürgerbus im Grunde überflüssig, weil die Verbindung zwischen den Ortsteilen gewährleistet ist“, sagte Mittmann im jüngsten Verkehrsausschuss. Dreh- und Angelpunkt des neuen Konzepts ist allerdings ein zentraler Omnibusbahnhof, der ursprünglich an der Niedersachsenstraße am geplanten Arkaden-Center gebaut werden sollte. Seit das Projekt Arkaden-Center so gut wie gescheitert ist, ist auch die Haltestelle hinfällig.
Die Ratsmitglieder haben der Bürgerbus-Idee des Seniorenbeirats noch keine Absage erteilt. „Grundsätzlich begrüßen wir das Ansinnen“, sagte Marlene Posnin (CDU). Zunächst brauche die Gemeinde aber ein ÖPNV-Gesamtkonzept.“ Ihre Partei hatte das von der Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und Wählergemeinschaft beschlossene Konzept stets als unausgegoren kritisiert.
Unabhängig von diesem Streit zwischen den Parteien sagte für die SPD Norbert Hörnschemeyer, dass auch die Kooperation der Idee des Seniorenbeirats offen gegenüberstehe.
Foto: dpa